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Antrittsrede als Gemeinderatspräsident am 6. Mai 2013

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Diese Uhr da soll das Symbol sein für mein kommendes Jahr als Gemeinderatspräsident:

Es ist die Uhr die mein Grossvater von der Stadt Dübendorf 1979 geschenkt gekriegt hat, dafür dass er 25 Jahre lang Friedensrichter war.

Sie hat für mich einerseits einen emotionalen Wert. Andererseits ist ein Zeitmesser und Zeitgeber. Sie dient dazu die Zeit im Auge behalten: Die Zeit nicht zu überschreiten, aber auch darum bewusst Zeit zu geben, damit Gedanken Raum haben und sich Lösungen entwickeln können.

Geschätzte Gemeinderatskolleginnen und –Kollegen, lieber Stadtrat, liebes Publikum,

Ich möchte euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, danken, für das Vertrauen, das ihr mir mit der Wahl zum Gemeinderatspräsidenten geschenkt habe. Das Amt ist für mich eine grosse Ehre und eine Herausforderung, der ich mit Respekt begegne.

Ich bin Bürger von Dübendorf, weil meine Grosseltern hier gewohnt haben und mein Vater hier aufgewachsen ist. Ich selber bin nicht hier aufgewachsen. Ich habe ein paar Kindheitserinnerungen an Dübendorf, z.B. an die Flügi, dort hat mein Grossvater sein ganzes Berufsleben lang als Flugzeugmechaniker gearbeitet hat vom Propellerflugzeug bis zur Mirage.

Dadurch habe ich einen starken Bezug zu Dübendorf. Ich bin aber selber erst Anfang 2007 nach Dübendorf gezogen als Neuzuzüger, da hatte ich die Gelegenheit mein Grosselternhaus zu übernehmen. Vor gut 6 Jahren also. Und seit 2010 im Gemeinderat. Das ist noch nicht lang her.

Ich bin seit 20 Jahren politisch engagiert, aber nach nicht mal drei Jahren im Gemeinderat zum Gemeinderatspräsidenten zu werden ist doch ein ungewöhnlicher Blitzstart. Er war nicht geplant und ist den Umständen rund um die Bürowahlen vom letzten Jahr geschuldet. Umso grösser ist die Herausforderung, aber auch das Vertrauen, das ich eurer Wahl entnehme.

Doch, ich möchte nun ein paar Worte verlieren zum Amt des Präsidenten, ich möchte einen Wunsch an die Politik in Dübendorf deponieren und als Drittes darauf eingehen, was mir im kommenden Amtsjahr besonders wichtig ist.

Mein Grossvater war mehr als 25 Jahre lang Friedensrichter. Man erzählt sich einige Geschichten. So soll auch hie und da vorgekommen sein, dass er Paare, die für eine Scheidung bei ihm waren, nachhause geschickt hat, und ihnen den Rat gegeben hat, noch mal über die Sache zu schlafen und sich genügend Zeit für den Entscheid zu nehmen.

Ein Friedensrichter ist Moderator und Vermittler. Er muss vor allem zuhören können, die unterschiedlichen Seiten verstehen, ihre Interessen, ihre Bedürfnisse, er muss Beziehungen aufbauen, Brücken bauen helfen, zwar seine eigene Meinung haben, sie aber zurück nehmen können, um dann doch im entscheidenden Moment aktiv zu werden, damit Lösungen möglich werden, die Bestand haben.

Genau ist es bei der Rolle des Gemeinderatspräsidenten. Er soll den Gemeinderat als Ganzes vertreten, Beziehungen pflegen und Brücken bauen. Der Gemeinderatspräsident soll die Ansprechperson sein für die Bevölkerung und für die Vereine, er soll zwischen dem Stadtrat und dem Gemeinderat verbinden und er soll die Beziehung mit der Verwaltung pflegen.

Man sagt, gewisse Eigenschaften liegen in der Familie. Die Eigenschaften, die meinen Grossvater zum Friedensrichter gemacht habe, finden sich auch bei mir wieder. Gerade deshalb glaube ich gut in diese Rolle zu passen und freue ich mich umso mehr auf dieses Amt.

Im Übrigen sind es wohl auch diese Eigenschaften, die der Grund sind, dass meine politische Heimat in der CVP ist – eine Mittepartei, die vermittelt und Lösungen möglich macht, und nicht an den Extremen – weder links und noch rechts.

Der Gemeinderatspräsident ist als Moderator und Vermittler für alle da. Dafür will ich mir Zeit nehmen und lade ich euch alle Bewohner von Dübendorf ein: Kommt auf mich zu!

Für mein Amtsjahr aber auch darüber hinaus habe ich einen Wunsch an unsere politischen Diskussionen.

Vielleicht kennen Sie das Zitat von Antoine de St Exupéry über das Bauen eines Schiffs.

Er hat gesagt: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Leute zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Leute die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Es gibt manchmal Momente, wenn ich den Diskussionen in unserem Rat zuhöre, wo mir dieses Zitat in den Sinn kommt.

Es ist es die Aufgabe der Politik an unserem Dübendorf zu bauen – an unserem Schiff sozusagen. Es werden oft Leute zusammengetrommelt, es wird viel über Holz diskutiert, und es werden Aufgaben vergeben und Arbeiten eingeteilt.

Es wird über Details des Schiffs diskutiert – ob das Hochhaus im Hochbord 100m oder nur 80m hoch sein soll oder ob es den Dübi Award braucht oder nicht. In diese Diskussionen investieren wir sehr viel Energie, oft ohne eine gemeinsame Lösung zu finden. Das Leepünt Areal von nebenan ist ein Musterbeispiel.

Aber es wird praktisch nie über das weite, endlose Meer diskutiert. Wie soll es denn unser Dübendorf in 50 Jahren aussehen? Sind wir eine zersiedelte, undefinierte Schlaftstadt? Oder sind wir dann der Kreis 13 von Zürich? Von welchem Dübendorf träumen wir denn?

Wenn wir uns für solche Diskussionen Zeit mehr nehmen und unsere Fantasie freien Lauf lassen, wird es möglich ganz andere Kräfte zu mobilisieren. Das Schiff – unser Dübendorf – baut sich dann fast von selbst.

Ich wünsche mir, dass wir uns mehr Zeit nehmen, um gemeinsamen über das endlose, weite Meer zu diskutieren – darüber wie denn unser Dübendorf der Zukunft aussehen soll!

Doch zum Schluss wieder konkret, was ist mir im kommenden Amtsjahr besonders wichtig:

Am wichtigsten ist mir Kontinuität. Man muss nicht immer alles neu erfinden. Und vor allem soll man auf dem aufbauen, was sich in der Vergangenheit erarbeitet wurde und konsequent weiter gehen:

(1) Meine Vorgängerin und deren Vorgänger hatten sich um Ziel gesetzt, den Kontakt mit der Verwaltung zu pflegen und vertiefen. Das ist auch mein Anliegen. Wir haben gute Leute in der Dübendorfer Verwaltung und wir können durch eine gute Zusammenarbeit viel voneinander profitieren.

(2) Wir haben in den vergangenen zwei Jahre auch technologische Neuerungen eingeführt. Z.B. das Rednerpult oder das iPad. Auch in diesem Thema können wir noch einen Schritt weiter gehen.

(3) Die Verwaltung hat in den letzten Jahren unter der Leitung des Stadtschreibers und seines Stellvertreter eine starke Prozess- und Qualitätskultur etabliert. Ich bin der Überzeugung, dass diese Art strukturiert und in Prozessen zu denken und zu arbeiten, auch in den politischen Gremien und ihren Abläufen bedeutende Vorteile bringen kann. In Zusammenarbeit mit der Verwaltung will ich hier für die Arbeiten rund um das Büro des Gemeinderats einen Schritt weiter gehen.

In diesem Amtsjahr kommt eine besondere Herausforderung dazu. Es ist wieder ein Wahljahr. Dann gilt dann noch viel mehr als sonst „sehen und gesehen werden“ – Präsenz ist alles in einem Wahlkampf. Die Gefahr dabei die Sache und die Zeit aus den Augen zu verlieren ist gross.

Ich bin überzeugt, dass wir uns hier unterscheiden können von der Politik wie sie in Bern gemacht wird. Indem wir uns trotz aller Konkurrenz auch im Wahljahr nicht in taktischen Spielen verlieren, sondern dem gemeinsamen Wohl von unserem Dübendorf verpflichtet bleiben.

Von mir könnt ihr Kontinuität erwarten: in der Zusammenarbeit mit der Verwaltung und der laufenden Verbesserung der Abläufe und Strukturen.

Von euch wünsche ich mir, dass ihr im kommenden Jahr die Sache nicht aus den Augen verliert und die Zeit im Auge behält.

Liebe Gemeinderatskolleginnen und –Kollegen, liebe Einwohner von Dübendorf, liebes Publikum

(1) Kommt auf mich zu! Ich will mir die Zeit nehmen, euch zuzuhören, eure Interessen und Bedürfnisse verstehen, Beziehungen zu vertiefen und wo notwendig zu moderieren und vermitteln um Brücken zu bauen.

(2) Nutzen wir die wertvolle Zeit, verlieren wir uns nicht in Details, sondern diskutieren wir mehr über unser gemeinsames Dübendorf der Zukunft!

(3) Und vor allem, lasst uns auf dem aufbauen, was sich bewährt hat und den Weg konsequent weiter gehen und dabei auch im kommenden Wahljahr die Sache und das Wohl unsere gemeinsamen Dübendorfs nicht aus den Augen verlieren.

Diese Uhr soll durch das kommende Amtsjahr begleiten. Sie wird mich an meine moderierende Rolle erinnern. Und sie soll als Zeitmesser für unsere Sitzungen dienen, um die Zeit nicht zu überschreiten, aber auch darum die notwendige Zeit zu geben, damit konstruktive Diskussionen möglich weden.

Behalten wir die Zeit im Auge: Nutzen wir sie bewusst und kreativ für das Wohl unser gemeinsamen Dübendorf!

 

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Dominic Müller

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