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Eröffnungsworte zur Art Dübendorf 2013

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In einem langen Prozess wird aus dem einfachen Kohlenstoff wie da in diesem Bleistift ein neues Element mit ganz anderen Eigenschaften.

Wenn man diesen freilegen und richtig schleift dann wird ein solcher Diamant daraus. Wenn man ihn ins Licht hält kommen die Facetten an den Tag. Der Diamant funkelt je nach Blickrichtung und Lichteinfall mit einem tiefen Feuer.

Liebe Künstlerinnen und Künstler, geschätzte Damen und Herren,

so ist auch mit den Kunstwerken an dieser Ausstellung:

Aus Material und mit Technik entsteht mit einer Idee des Künstlers ein Kunstwerk. Das Kunstwerk alleine hat aber noch kein Leben. Erst wenn wir uns Zeit nehmen können und dem Kunstwerk die Aufmerksamkeit schenken, das Licht darauf werfen, beginnt es zu funkeln.

Wir sind hier nach einer Arbeitswoche, kommen aus dem Alltag. Wir haben allerlei was uns beschäftigt. Wir haben sie mitgebracht hierhin.

Ich möchte Sie mit einem Streifzug durch ein paar Gedanken hierher holen. Mit Gedanken dazu wie aus dem Material als Grundlage und der Idee des Künstlers ein Werk entsteht, ein Werk das durch uns als Betrachter zu wirken beginnt.

So möchte ich Sie aus dem Alltag etwas mehr hierher holen und einstimmen auf die Werke unserer Dübendorf Künstler, die als „beste“ Künstler von Dübendorf dieses Jahr an der Art Dübendorf ausstellen dürfen.

So können Sie nachher beim Gang durch die Ausstellung und den Gesprächen mit den Künstlerinnen und Künstlern noch bewusster auf die vielen Facetten achten, die in den Werken dieser Ausstellung stecken.

Grundlage eines Kunstwerks ist bei der bildenden Kunst das Material zusammen mit der Technik. Ausgangsmaterial sind Leinwand, Pinsel, Avocadokerne und Schnitzmesser. Viele Techniken, wie man das Material nutzen kann. Regeln und Prinzipien von Farben und Formen, die man Lernen kann.

Durch Experimentieren und Ausprobieren entwickelt der Künstelr seinen Stil. Es gibt es riesig Vielfalt. Je nachdem ganz andere Wirkung. Die einen von ganz Nahe im Detail. Andere Bild erst von Weitem. Einzelpunkte und Pinselstriche werden zu einem Bild.

Kombinationen von Grösse, Farben, Formen und Anordnungen spielen eine Rolle auf die Wirkung. Wenn wir uns rumschauen: Ist es nicht faszinierend, welche Vielfalt es gibt?

Material und Technik als Grundlage ist eine Facette von jedem Kunstwerk. Nutzen Sie die Zeit darauf zu achten. Das Material und die Technik macht aber noch kein Kunstwerk aus.

In einem kreativen Prozess macht der Künstler aus dem Material das Werk:

Einmal geht es schnell und fliesst. Ein andermal ist es schon fast ein Kampf und endet am Ende ganz anders als ursprünglich gedacht. Ein drittes Mal ist es ein langer Prozess wie bei den 366 Köpfen.

Während der Entstehung des Kunstwerks sind dem Künstler viele Dinge durch den Kopf gegangen, die sich am Schluss im Werk widerspiegeln, sichtbar oder teilweise drin versteckt. Als Betrachter kommen mir viele Fragen, zu denen ich vielleicht im Werk eine Antworte spüre:

Was ging dem Künstler durch den Kopf? Was ist ihm wichtig, liegt ihm am Herzen? Will er ein Bild, die Erinnerung an einen Moment festhalten? Eine Stimmung transportieren? Ist es einfach die Lust experimentieren? Oder will er aufrütteln, zum Denken anregen, provozieren? Oder soll es einfach schön sein? Welche Bilder wählt er und was ihn wohl dazu inspiriert hat?

All diese Gedanken und viele Stunden Lebenszeit stecken im kreativen Prozess des Künstlers und verdichtet sich in diesen Kunstwerken hier im Raum. Es bleibt in einer einmaligen Form festgehalten. Das erst macht aus dem Material ein Werk.

Nehmen Sie sich die Zeit und achten Sie auch auf diese Facette und tauchen Sie ein in die Tiefe dieser Werke.

Und damit kommen wir zum letzten und spannendsten Teil.

Neben aller Technik und den Einfällen des Künstlers kommt das Kunstwerk richtig zum Leben, wenn wir als Betrachter uns darauf einlassen und in sich hinein hört. Wenn es sich in uns selber reflektiert, dann funkelt es. So in der Art wie sich das Licht im Diamant reflektiert.

Dann entfaltet das Kunstwerk eine Wirkung. Dann kommen noch mehr Facetten ans Licht. Und je nach Winkel, in dem man reinschaut und je nach Helligkeit funkelt es anders.

Jeder von uns nimmt es anders wahr, je nachdem wo ich gerade stehe:

Es hängt von meinem eigenen Standpunkt, von meinem Interesse und Geschmack ab. Wenn ich mich in der heutigen hektischen Zeit nach mehr Ruhe und heiler Welt sehne, dann sprechen mich vielleicht die idyllischen Bilder von unberührten Landschaften an, die eine heile Welt darstellen, wenigstens auf den ersten Blick.

Wenn ich eher der neugierige Typ bin es mag, der Grenzen sucht und sich auch gerne mal aus der Komfortzone bewegt, dann sprechen mich die provokanter Bilder an. Meine Betrachtungswinkel kann aber auch je nach Stimmung etwas wechseln.

Wenn ich sonst schon viel um die Ohren habe, dann spricht mich das ruhigere Bild in dem Moment vielleicht etwas mehr an. Ein Andermal wenn ich voller Energie bin, dann sind es knalligere Farben, die mich ansprechen und lasse ich mich gerne auch mal auf provokante Gedanken ein.

Aber schliesslich wirkt das Werk anders je nach dem Zusammenhang, in man es betrachtet. Hängt es irgendwo alleine oder hier in der Galerie zwischen andern? Und wie steht es im Verhältnis zu den anderen Werken im Raum.

Oder dann bei mir zuhause im Wohnzimmer. Da hängt das rote Bild dann neben dem blauen Sofa und wirkt nochmal ganz anders. Zieht es Aufmerksamkeit an oder geht unter.

Nehmen Sie z.B. das Bild links an der Wand. Was ist ihr erster Eindruck? Was löst es bei Ihnen persönlich aus? Was ist ihr erster Gedanke? Was ihr nächster Gedanke? Und ihr übernächster?

Ist es nicht eindrücklich, welche bunte Welt an Gedanken und Gefühlen, da in jedem von uns entsteht? Und in jedem eine andere!

Nehmen Sie sich Zeit und achten Sie auf das Verhältnis, das zwischen Ihnen und dem Kunstwerk entsteht. Wechseln Sie mal die Position und gehen Sie den Gedanken nach.

Lassen Sie mich zusammenfassen:

Wir sind bei der Vielfalt an Material und Technik gestartet, eine erste Facette und Grundlage für das Kunstwerk.

Viele weitere Facetten eröffnen sich im kreativen Prozess des Künstlers, der aus dem Material und mit Hilfe der Technik dann erst zum Werk wird, in dem sich alles verdichtet und eingefangen ist.

Und das Werk wiederum entfaltet sich und beginnt zu wirken in den Augen des Betrachters. Es löst in jedem von uns wieder eine eigene bunte Welt an Gedanken und Gefühlen aus.

Wie ein Diamant einen Rahmen braucht, in dem er sich präsentieren kann um zu funklen – z.B. einen solchen Ring – so brauche auch die Kunstwerke einen Rahmen. Diese Ausstellung biete einen solchen. Sonst kämen wir ja all diese wunderbaren Werke nie zu sehen.

So möchte ich den Organisatoren dieser Ausstellung ganz besonders danken, dass ihr es immer wieder möglich macht, dass wir all dies zu sehen kriegen, was in Dübendorf an Kreativem entsteht.

Ihnen, liebe Künstlerinnen und Künstlern, möchte ich danken, dass Sie mit Ihrer Arbeit diese Möglichkeit schaffen, in diese Welten einzutauchen.

Und Ihnen, meine Damen und Herren, als Betrachterinnen und Betrachter dieser ausgewählten Dübendorfer Kunstwerke möchte ich danken, dass Sie sie zum Leuchten bringen.

Ich hoffe, dass ich Sie mit meinem Gedankenspaziergang unterstützen konnte, aus dem Alltag heraus einen Schritt auf die Kunstwerke dieser Ausstellung zu zu machen. Und wünsche Ihnen nun meinerseits allen viel Vergnügen beim Wirken lassen.

Nehmen Sie sich die Zeit und achten Sie besonders bewusst auf die vielen Facetten, die in den Werken dieser Ausstellung stecken und bringen Sie sie fürs sich zum Funkeln.

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Dominic Müller

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