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Vorwort zum Dübendorfer Heimatbuch 2013

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Mein Grossvater ist in Dübendorf aufgewachsen und hat zeitlebens hier gewohnt. Mein Vater ist hier aufgewachsen und dann weggezogen, und ich bin zurück gekommen an den Ort, den ich immer als Heimatort gehabt, aber nur als Ferienort gekannt hatte.

Vor knapp sieben Jahren neu zugezogen nach Dübendorf in das Haus meiner Grosseltern stand am Anfang das Beobachten, Zuhören und Verstehen meiner neuen Umgebung. Ich habe versucht das Zentrum auszumachen zwischen Stettbach, Stadthaus und Bahnhof, das Selbstverständnis und Zusammenspiel der Weiler zu verstehen, die dazu gehören, sich aber doch eigenständig fühlen.

Ich habe festgestellt, dass wir das meiste haben, was es an Infrastruktur so braucht und dazu jede Viertelstunde einen Zug nach Zürich, wo man das noch findet, was hier fehlen könnte. Alles ist gut, nicht ganz perfekt vielleicht, aber sehr praktisch und mitten in der Komfortzone – ohne Handlungsdruck.

Andererseits bieten unsere geografische Lage und die freien Flächen einmalige Entwicklungsmöglichkeiten gleich vor den Toren Zürichs. Sie mobilisieren umtriebige Investoren aller Art für Seilbahnen, Innovationsparks, Hochhäuser und dergleichen.

Und wir Dübendorfer dürfen wählen: Entweder schauen wir zu und lassen uns durch Investorenprojekte zufällig vorwärts treiben – mit dem Risiko im Glattaler Agglomerationsgürtel unterzugehen. Oder wir tun uns zusammen und gestalten gemeinsam und aktiv mit an einem Dübendorf mit eigenständigem Charakter.

Doch welches Dübendorf wollen wir denn? – Die Identität, das gemeinsame Bild habe ich gesucht um zu spüren, was Dübendorf will. Ich konnte es nicht ausmachen. Ich habe vor allem Leute gefunden, die von innovativen Ideen und Projekten aus der Vergangenheit schwärmen und enttäuscht sind, dass nur wenig davon umgesetzt wurde.

Auf der Suche nach dieser Vergangenheit bin ich zum ersten Mal auf die Heimatbücher gestossen. Dort habe ich in den vielen Spuren der Zeit eine Aufbruchsstimmung und eine Leidenschaft für eine aktive Stadtentwicklung gefunden, die ich vorher vergeblich gesucht hatte. Ich bin auf Texte der 70er Jahren gestossen, die heute noch aktuell sein könnten – so 1972 unter dem prägnanten Titel „Der Dübendorfer Ortskern – für immer tot?“ oder 1973 unter dem Zwischentitel „Bessere Information – aktivere Mitarbeit“. Auch in den 90er Jahren wurden offensichtlich Leitbilder geschmiedet. Für das Bahnhofgebiet wurde 1996 ein ganz konkreter Teilrichtplan vom Volk in einer Urnenabstimmung angenommen. Aber nur wenig wurde realisiert und das Leitbild muss in der Schublade verschwunden sein, wurde mir berichtet.

In der Zwischenzeit bin ich ganz hier angekommen und selber ein Teil von Dübendorf; ich darf dieses Jahr als höchster Dübendorfer die lokale Politik vertreten und selber mitgestalten. Auch aus der Nähe verändert sich das Bild nicht. Mir scheint nur, wir stecken etwas ideenlos fest auf dem Weg vom Dorf zur Stadt, und dies ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen.

Und wenn ich all die Ideen und die Leidenschaft sehe, die sich in alten Heimatbüchern finden, und die Entwicklungsmöglichkeiten, die im Raum stehen, dann macht das so richtig Lust aufzubrechen.

Es macht Lust, gemeinsam mit der Bevölkerung und der Politik Perspektiven auszumalen und Szenarien zu diskutieren, Horizonte zu öffnen und Schranken abzubauen. Es fordert uns dazu heraus, gemeinsam mit den vielen engagierten und interessierten Dübendorferinnen und Dübendorfern ein gemeinsames Bild zu entwickeln, wie unser Dübendorf der Zukunft aussehen soll, welchen Charakter es haben muss.

Solch ein lebendiges gemeinsames Bild kann überraschende Kräfte freisetzen – frei nach meinem Lieblingszitat von Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn man ein Schiff bauen will, muss man nicht die Menschen zusammen trommeln, Baumaterial beschaffen und Arbeit verteilen, sondern die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer wecken.“ – Dann baut sich alles von selbst.

Dafür kann auch das diesjährige Heimatbuch eine Grundlage bieten, damit uns bewusst bleibt, woher wir kommen und wo wir stehen, und wir so unser gemeinsam ersehntes Dübendorf der Zukunft auf ein festes Fundament stellen können.

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Dominic Müller

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